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Sprachliche Deutung der Silbe "Mol / Mul" bzw. des Namens "Molbach"

Einige Sprachforscher und anschließend Historiker oder Heimatforscher glauben den Ursprung des Wortes "Molbach" gefunden zu haben und erklären die erste Silbe des Wortes wie folgt:

"mit Mol/Mul wird ein sprachlicher Zusammenhang "vermodertes Innere alter Buchenstämme" angenommen". Die nachfolgende Silbe "-bach" scheint dabei keine Rolle zu spielen.

Lassen wir die vorliegenden Tatsachen d.h. Urkunden und die örtlichen Gegebenheiten zu Wort kommen und lassen wir die Fantasien und Deutungen einzelner Wortsilben einmal weg.

In den uns vorliegenden Urkunden der Grafenfamilie "von Molbach" aus dem 12. Jahrhdt. finden wir folgende Schreibweisen: "von Molbach" - "von Mulbach" - "von Mylbach". Zu der 3. Schreibweise "Mylbach" muß gesagt werden, daß im 12. Jahrhundert der Umlaut "ü" bzw. "üh" nicht geschrieben wurde. Nun gibt es schon seit Jahrhunderten in Obermaubach eine Mühle und davon hergeleitet den Namen "Mühlbach", wie wir den heutigen Rinnebach auf alten Katasterkarten des 19. Jahrhdt. noch als "Mühlbach" oder auch "Mühlenbach" eingetragen sehen. Mühlenbach aus dem Grunde, weil in Obermaubach zwei Mühlen existierten - eine Getreidemühle und eine Ölmühle. Bleiben wir einmal auf dem Boden der Tatsachen.

lateinisch deutsch

mola, molo, molendinum - Mühle

alt - niederdeutsch

Mole - Molbach Mühle - Mühlbach

 

Die Obermaubacher Mühle und der nach der Mühle benannte Bach - der Molbach, der Mulbach oder schließlich Mylbach - haben dem Ort, dem Grafengeschlecht der Burg und schließlich der Grafschaft den Namen gegeben.

Aber lassen wir einmal einer anderen Fantasie freien Lauf:

Wir wissen, daß am Westabhang der Mausauel ein römischer Gutshof gestanden hat. Die Arbeiter auf diesen oft sehr großen röm. Anlagen wohnten in ihren Hütten in der näheren Umgebung. Die Zufahrt zu diesem röm. Gutshof ging durch die Furt in Obermaubach, die unmittelbar an der späteren Burganlage während zweitausend Jahren bis 1935 genutzt wurde. Bereits im 3./4. Jahrhdt. n. Chr. kannten die Römer die Wassermühle. Die keltischen Arbeiter wohnten bereits damals schon in der Ortslage von Obermaubach. Was spricht gegen eine Mühle in "Molbach" bereits in dieser Epoche; denn die Landwirtschaft, besonders der Anbau von Getreide, spielte auf diesen Gutshöfen eine bedeutende Rolle.

In der europäischen Fachliteratur wird die Wassermühle erstmals im Jahre 14 n. Chr. durch den Römer Marcus Vitruvius in dessen Werk "Architectura" erwähnt. Dort beschreibt dieser ausführlich das unterschlächtige Wasserrad und dessen Antriebsweise. (siehe Abbildung) Bis zu Anfang des 4. Jahhdts. n. Chr. hatten die Römer auch in den linksrheinischen Gebieten, überall dort, wo die natürlichen Gegebenheiten sich anboten, größere Kastenmühlen oder Wassermühlen errichtet. Dabei nutzten sie die Wassertriebwerke nicht nur zum Mahlen von Getreide, sondern auch zum Sägen von Holz und Stein.

Nähere Nachrichten aus der EIFEL sind uns aus der "Mosella", den Moselliedern des Decimus Magnus Ausonius (310 - 390 n. Chr.) bekannt. In seinem Lied über die Nebenflüsse der Mosel heißt es u.a.: ....Drauf die reißende Kyll, die andere aber mahlet das Korn und treibt des Mühlensteins mächtigen Umschwung, zieht durch des Marmors glattes Gestein ihre kreischenden Sägen, und so wandert sie mitten hindurch durch ewiges Tosen".

Auch zum Anfertigen der erforderlichen Mühlsteine hatten die römischen Eroberer in der Gegend um Mayen bereits eine regelrechte Industrie entwickelt. Eine Auswahl dieser Mühlsteine in fast allen gängigen Größen, d.h. von der kleinen Handmühle bis zur Wassermühle können im Eifeler Landschaftsmuseum (Eifelvereinsmuseum) zu Mayen besichtigt werden.

 

Bild einer römischen Wassermühle nach Vitruvius

 

Mol - vermodertes Innere alter Buchenstämme; aber in welchem Zusammenhang steht nun die zweite Silbe -bach ? Wie bringt man den Bach in direkte Verbindung zu dem "vermoderten Inneren alter Buchenstämme? Wird bei dieser Deutung nicht bewußt der "historische Mühlbach" verschwiegen, weil der ja bekanntlich mitten durch den alten Ortskern von Obermaubach fließt?

Nach dieser "Moder-Deutung" kann man das alte Molbach an jeden x-beliebigen anderen Ort verlegen, z.B. nach Untermaubach.

Also lassen wir die Kirche im Dorf und den alten historischen "Molbach" "Mulbach" und "Mylbach" weiter durch Obermaubach fließen, auch wenn "Kulturschänder" vor Jahrzehnten das Herzstück Obermaubacher Geschichte in "Rinnebach" umgetauft haben.

Auf jeden Fall muß man die Namensgebung für das Grafengeschlecht "von Molbach" - "Mulbach" - "Mylbach" auf diesen Bach und Mühle (ähnlich wie Hengebach - Heimbach) und nicht auf das "vermoderte innere von Buchenstämmen zurückführen.

 

Karte von der Rur mit der Furt

 

 

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