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Natur erleben

Auf den Spuren des Menschen in der Alt- und Jungsteinzeit

 
Hobbyarchäologe Josef Tings freut sich über sensationellen Fund

Die Krönung jahrelanger Suche

Gut erhaltenen Faustkeil aus der Zeit um 140.000 vor Christus entdeckt

(Dürener Nachrichten vom 25. Februar 1986 - von Frank Statzner)

Obermaubach. - Sobald der Schnee geschmolzen ist, wird man Josef Tings wieder über die Felder bei Obermaubach streifen sehen. Für seine Mitbürger ist das ein gewohntes Bild, denn meistens, wenn die Äcker zwischen den einzelnen Fruchtperioden brachliegen, ist Josef Tings hier zu finden. Und dennoch: Die Wenigsten sind sich im klaren über die Bedeutung seines Tuns. Was von weitem wie ein weltverlorenes Lustwandeln auf der Scholle aussieht, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als konzentriertes Suchen nach Überresten frühgeschichtlicher Besiedlung. Vor kurzem gelang Josef Tings ein Sensationsfund: Er entdeckte einen Faustkeil, der etwa um 140.000 vor Christus als Universalwerkzeug diente.

Josef Tings kann mit diesem Faustkeil das älteste aus Menschenhand stammende Fundstück aus dem Dürener Raum überhaupt vorlegen. Ein in den sechziger Jahren gefundener Faustkeil vom Kreuzauer Lohberg ist nur 60.000 Jahre alt, und noch ältere Überreste aus einer Birkesdorfer Ziegeleigrube stammen nicht von Menschen, sondern vom Mammut. Zu Recht kann der Obermaubacher Sammler also stolz sein auf seinen Fund, bestätigt er doch mit hoher Wahrscheinlichkeit, daß zu dieser frühen Zeit bereits Menschen im Einzugsbereich der Rur waren.

Ob dort ständig Siedlungen oder zeitweise Läger unterhalten wurden, läßt sich jedoch nicht sagen. Der Faustkeil könnte zum Beispiel auf der Jagd verlorengegangen sein. Beide Funde könnten auf eine längere Anwesenheit hinweisen. Die liegen jedoch, wenn sie denn existieren, noch im Acker verborgen.

Scharfes Auge nötig

Zur Zeit setzt die Witterung den Obermaubacher Sammler schachmatt. Unter dem Schnee läßt sich naturgemäß nichts finden. "Am günstigsten sind die Bodenverhältnisse, wenn es geregnet hat", berichtette Josef Tings in einem Gespräch mit den Nachrichten. Dann stechen die steinernen Überreste vergangener Zeiten aufgrunf ihrer eigenwilligen Form und ihrer zum Teil hellen Patinierung hervor. Wer weiß, wie klein und unscheinbar die Funde zum Teil sind, der kann ermessen, welch scharfes Auge für die Sammeltätigkeit nötig ist. Pfeilspitzen zum Beispiel sind kaum größer als eine Fingerkuppe.

Begonnen hat Josef Tings mit seinem ungewöhnlichen Hobby 1977. Er sah bei einem seiner Spaziergänge einen anderen Sammler auf dem Acker und wollte wissen, was der denn dort treibe. Als Fossilien- und Mineralien-Sammler hatte er sich schon seit Jahren mit steinernen Funden beschäftigt und war sofort Feuer und Flamme für die Archäologie. „Gleich am nächsten Tag bin ich selber suchen gegangen“, weiß er zu berichten. Nicht lange dauerte es, und seine Suche wurde von Erfolg belohnt. Ein Schaber war sein erster Fund.

Nur 30 Tage im Jahr

"Immer, wenn es die Witterung und meine Zeit erlaubte, bin ich auf die Felder gegangen. Das ist wie eine Sucht", bekennt er. Jetzt, wo er Rentner ist, fiebert Josef Tings geradezu jenen Tagen entgegen, die ihm die Suche ermöglichen. Und die sind dünn gesät. Etwa 30 Tage im Jahr stehen zur Verfügung. Zehn Felder im Einzugsbereich von Obermaubach "beackert" er systematisch. Da drängt die Zeit. Rund sechs Stunden am Tag ist Josef Tings daher in dieser Zeit auch unterwegs.

Rund 4.000 Stücke

Die Mühe hat sich für den Sammler gelohnt. Seine Sammlung, die in Fachkreisen als eine der sorgfältigsten von Hobbysammlern im Dürener Raum gilt, umfaßt inzwischen bereits etwa 4.000 Funde. Am häufigsten sind sogenannte Rundschaber. Von ihnen findet er im Jahr etwa 15, Bohrer, Mahlsteine, Speer-, Dolch- und Pfeilspitzen, Klopfsteine, ein noch heute erstaunlich scharfes Steinmesser und anderes mehr ergänzen den steinzeitlichen Haushaltsgerätepark im Hause Tings. Sorgfältig nach Fundort beschriftet, liegen die einzelnen Funde anschaulich hinter Glas, wie geschaffen für eine heimatkundliche Ausstellung.

Text aus dem Bericht von der Eröffnug des Heimatmuseums "Grafschaft Molbach" vom 6.1.1998:

Nicht als Gast, sondern als Freund und aktiven Mitarbeiter des Heimatmuseums wurde der Obermaubacher Hobbyarchäologe Josef Tings vorgestellt, der über 20 Jahre lang seine Spürnase in jeden Quadratzentimeter der Obermaubacher Fluren gesteckt hat und einige tausend Male fündig geworden ist. Das Ergebnis seiner unermüdlichen Suche kann sich sehen lassen. Über tausend Fundstücke hat er dem Heimatmuseum zur Verfügung gestellt, und sie sind eine großartige Bereicherung dieser Ausstellung. Es handelt sich um Fundstücke aus der Altsteinzeit bis zur Jungsteinzeit. Zu sehen sind : Steinbeile, Pfeilspitzen, Dolchspitzen, Faustkeile, Keulen, Klingen, Stichel, Schaber, Bohrer, Getreidehandmühle usw.

 

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